Fachverlag x-technik
search
 

Schließen


CIM ist tot – es lebe PLM!

: Siemens PLM


Umfassende Informationen galten im Zeitalter des Computer Integrated Manufacturing (CIM) als besonders knappe Ressource in Fertigungsbetrieben. Gerade in über viele Jahrzehnte gewachsenen mittelständischen Unternehmen erschweren auch heute noch System- und Medienbrüche die Weitergabe kritischer Informationen. Kleinere Hersteller setzen oft auf Flexibilität per Zuruf. Mit speziellen Product Lifecycle Management (PLM) Angeboten für den Mittelstand schließt Siemens PLM Software nun den Informationskreislauf bis in die Fertigung. Produktivitätssteigerungen sind die Folge. Anders als bei CIM steht heute der Mitarbeiter mit seinen Informationsbedürfnissen an erster Stelle.

splm_ritz2.jpg
Das gesamte Wissen der Produktentwicklung lässt sich einer Datenbasis verwalten.

Das gesamte Wissen der Produktentwicklung lässt sich einer Datenbasis verwalten.

In den 1980er Jahren wurde unter dem Schlagwort CIM die Vision populär, alle betriebswirtschaftlichen und technischen Abteilungen eines Unternehmens für einen durchgängigen, IT-gestützten Informationsfluss miteinander zu vernetzen und zu integrieren. Aber so attraktiv die Theorie erschien, so fulminant scheiterte ihre Umsetzung in die Realität in einem „CIM-Debakel“. Hauptursachen waren, dass der überwiegende Teil der Aufgaben in den Unternehmen ohne Rechner-Unterstützung erledigt wurde und die bereits vorhandenen Systeme kaum Schnittstellen oder Vernetzungsmöglichkeiten boten. Schwerer wog, dass die Integration der IT-Systeme im Mittelpunkt der CIM-Vision stand – und nicht die Zusammenarbeit der Mitarbeiter.


Alter Wein in neue Schläuche?


Unter dem Begriff Product Lifecycle Management (PLM) haben Anbieter wie Siemens PLM Software einen neuen Ansatz geprägt, der die Grundidee von CIM – die Vernetzung der unterschiedlichen IT-Systeme aller am Produktentstehungsprozess beteiligter Abteilungen – voraussetzt. Obwohl man an bekannte CIM-Ideen erinnert wird, unterscheidet sich PLM davon fundamental. Mit einer Fokussierung auf Produkt und Dienstleistungen eines Unternehmens stellt PLM einen schlankeren Lösungsansatz dar. Im Gegensatz zu CIM richtet sich PLM darüber hinaus auf die Unterstützung und Optimierung von Prozessen – die sich einfacher in Teilabschnitten umsetzen lassen. In gewisser Hinsicht ist PLM damit ein intelligenteres und praxisgerechteres Konzept, das zudem nach knapp 30-jähriger technischer Weiterentwicklung auf leistungsfähigere IT und

splm_ritz1.jpg
Andritz Ritz schafft mit PLM durchgängige Prozesse von der Konstruktion bis zu Fertigung.

Andritz Ritz schafft mit PLM durchgängige Prozesse von der Konstruktion bis...

neue Kommunikationsformen wie Wireless LAN und Internet aufbauen kann.


Hervorgegangen aus dem Product Data Management (PDM) versteht sich PLM in erster Linie als durchgehende Integration von Prozessen, IT-Systemen sowie der Daten entlang eines gesamten Produktlebenszyklus in einer gemeinsamen Wissensbasis. Es etabliert dazu unternehmensweit eine technische IT-Umgebung, die parallel zur ERP-Architektur, also der Auftragsabwicklung sowie Produktionsplanung und -steuerung, verläuft und auf bidirektionalen Informationsaustausch mit dieser angewiesen ist.


Eine PLM-Lösung zielt darauf ab, das vorhandene Produktwissen eines Unternehmens zu bündeln und allen Beteiligten zugänglich zu machen, ohne die speziellen Softwarefunktionalitäten der Fachabteilungen einzuschränken. Die Brücken zwischen den Bereichen schlagen neutrale Datenformate, die entweder ihre nativen Pendants ergänzen oder ersetzen. In der Industrie hat sich z. B. das offene JT-Format für 3D-Daten als De-Facto-Standard etabliert. Im inhaltsreichen, aber dennoch schlanken JT-Format lassen sich 3D-CAD-Modelle mit Metadaten und Zusatzinformationen, wie Maße und Toleranzen, verknüpfen. Dadurch können Konstruktionsdaten auch ohne CAD-Software von anderen Abteilungen oder Unternehmen weitergenutzt werden, etwa zum Aufbau eines computergestützten Versuchsmodells.


Für ein tatsächlich funktionierendes PLM wird aber mehr benötigt

splm_gesa1.jpg
Mit PLM senkt Gesa die Time-to-Market von Verkaufsdisplays für Kosmetikfirmen.

Mit PLM senkt Gesa die Time-to-Market von Verkaufsdisplays für Kosmetikfirmen.

als nur neutrale Dateiformate. Alle IT-Werkzeuge von CAD, CAM, CAE bis hin zur Simulation müssen – prozessgesteuert in einem PDM-System – medienbruchfrei zu einem durchgängigen, reibungslosen Ganzen integriert werden. Daraus folgt, dass jedes Software-Werkzeug sich daran messen lassen muss, ob es die Voraussetzungen dafür mitbringt.


Mittelstand im Mittelpunkt


Die Unterschiede zwischen Großunternehmen und mittelständischen Produzenten in Prozessen, Ressourcen, Budgets und Personal müssen mit den jeweiligen Besonderheiten der Branche berücksichtigt werden. Mit einem umfassenden Produktportfolio ermöglicht Siemens PLM Software jedem Unternehmen, unabhängig von seiner Größe, eine PLM-Integration zu etablieren, die strategisch wie ökonomisch sinnvoll ist. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf dem Mittelstand.


So konnte der mittelständische Hersteller von Pumpensystemen Andritz Ritz mit Hilfe des Softwareanbieters eine PLM-Umgebung errichten, die von der Konstruktion bis in die Produktion hinein integrierte und schlanke Prozesse schafft. Die Strategie von Andritz Ritz besteht darin, die technischen IT-Systeme so zu organisieren, dass Mitarbeiter von den Vorleistungen ihrer Kollegen in der Prozesskette profitieren. Diese Fokussierung auf Prozessoptimierungen bringt die vom Markt geforderte Effizienz und Flexibilität. Mit einer intelligenten PLM-Strategie konnte der Mittelständler eine neue Prozesskultur finden, die von der Konstruktion bis

splm_gesa2.jpg
Bei Gesa bildet das CAD-System Solid Edge die Basis für eine umfassende PLM-Lösung.

Bei Gesa bildet das CAD-System Solid Edge die Basis für eine umfassende PLM-Lösung.

zur Produktion auf sicheren Workflows und Freigaben beruht und effektivere sowie schnellere Projektdurchläufe ermöglicht.


Das Kernstück der PLM-Lösung bilden das 2D/3D-CAD-System Solid Edge, die CAM-Funktionalitäten von NX CAM sowie die PDM-Software Teamcenter. Darin werden alle Änderungs-, Aktualisierungs- und Freigabeprozesse der Konstruktion ebenso gesteuert wie die Aufgaben der NC-Programmierer. Das gesamte Wissen der Produktentwicklung von den ersten Entwürfen und der Variantenableitung über die Klassifizierung von Normteilen bis hin zu FEM-Simulationen lässt sich in der Datenbasis ablegen und verwalten. Die Vernetzung von NX CAM und Teamcenter eröffnet den NC-Programmierern einen umfassenden aufgabenbezogenen Informationszugriff. Via Teamcenter können sie die benötigten Werkzeuge und Spannmittel für die jeweilige CNC-Maschine auswählen, damit Werkzeuglisten und Einrichteblätter erzeugen und sie für eine weitere Verwendung in der Wissensbasis ablegen.


PLM verbindet Produktentwicklung mit der Fertigung


Mit Shop Floor Connect, einem web-basierten Teamcenter-Client für die Werkstatt, erreicht Andritz Ritz einen durchgehenden Informationsfluss von der Fertigungsplanung bis an die CNC-Steuerungen der Werkzeugmaschinen. Damit werden Fertigungsinformationen nicht nur theoretisch in den PLM-Bestand integriert, sondern die Vorteile in einem integrierten Informationsfluss produktiv ausgeschöpft.

splm_plm1.jpg
Das PDM-System Teamcenter von Siemens PLM Software etabliert unternehmensweit eine gemeinsame Wissensbasis.

Das PDM-System Teamcenter von Siemens PLM Software etabliert unternehmensweit...

align="left">

Die Werkstattmitarbeiter von Andritz Ritz melden sich in Shop Floor Connect an und erhalten einen rollenspezifischen Zugriff auf die einzelnen Auftragsinformationen, z.

B. Werkstattzeichnungen und Einrichteblätter, aber ebenso Simulationsdateien oder Arbeitspläne. Die NC-Programme lassen sich direkt an die Steuerung übertragen. Während des Einfahrens werden sie dort angepasst. Die Änderungen werden aufgezeichnet und die optimierten Programme via Teamcenter an den NC-Programmierer zurücktransferiert. Manchmal werden einfache Bauteile an der Steuerung programmiert. Die NC-Sätze werden dann per Rückübertragung in Teamcenter erfasst und erzeugen automatisch ein CAD-Modell des Bauteils mit allen zugehörigen Informationen. Aus Sicht des IT-Leiters Hans-Jürgen Steeb bewirkte der umfassende PLM-Informationszugriff in der Werkstatt eine deutliche Reduzierung der Maschinennebenzeiten sowie von Fertigungsfehlern.


PLM sukzessive verwirklichen


Wie sehr ein PLM-System den konkreten Unternehmensanforderungen entsprechen muss, zeigt die Gegenüberstellung mit dem Industriedesign-Unternehmen Gesa Form + Funktion Displaybau, das Verkaufsdisplays für Kosmetikfirmen entwirft, konstruiert und fertigt. In der Zielbranche sind Time-to-Market und rasche Bereitstellung von Designentwürfen und Angeboten die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.

Der erste Modernisierungsschritt bestand in der Optimierung und Vereinheitlichung des Konstruktionsprozesses, die mit dem mittelstandsorientierten CAD-System

splm-plm2.jpg
Mittels des schlanken JT-Formats lassen sich Konstruktionsdaten in Teamcenter selbst per E-Mail verschicken.

Mittels des schlanken JT-Formats lassen sich Konstruktionsdaten in Teamcenter...

Solid Edge erreicht wurden. Die homogenisierte CAD-Landschaft schuf zunächst straffere Abläufe innerhalb der Konstruktionsabteilung. Gleichzeitig wurde die Basis für ein umfassenderes PLM-System gelegt, das Kommunikationsprozesse nach außen unterstützt. Denn die 3D-Möglichkeiten und die Step-Schnittstelle von Solid Edge verbesserten die für Gesa wichtige Interaktion mit Lieferanten. Selbst ganze Baugruppen lassen sich exportieren, wodurch der gesamte Datenaustausch vereinfacht wird. Weitere Durchgängigkeit schaffen das CAM-System NX CAM Express sowie die Siemens CNC-Steuerungen für die Laser- und 5-Achs-Fräsmaschinen des hauseigenen Formenbaus. Die abgestimmten Lösungen etablieren auf diese Weise einen nahtlosen Workflow von der Konstruktion bis zur Fertigung, der das Informationsbedürfnis des einzelnen Mitarbeiters in den Mittelpunkt stellt.

Zusätzlich beschleunigt die in Solid Edge integrierte Insight-Technologie die Prozesse bei Gesa. Kleinere Unternehmen gewinnen damit die Vorteile eines unternehmensweiten PDM-Systems zu geringen Betriebskosten. Verschiedene Teammitglieder können damit ohne Konflikte an derselben Datei arbeiten. Insbesondere in Qualitätsmanagement und Freigabeprozessen wurde der Workflow verbessert. Für Rolf Scholz, Technischer Leiter bei Gesa, ist das einheitliche, durchgängige PLM-System auf Basis der einzelnen Siemens-Lösungen der Garant für die nötigen Zeitvorteile und damit die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens.


PLM gehört die Zukunft


Siemens PLM Software hat die Bedürfnisse dieser Unternehmen erkannt und bedient sie mit Lösungen, die gerade Besonderheiten der Betriebe unterstützt, ohne sie in einer Maximalarchitektur einzuebnen. Gleichzeitig entwickelt der Softwareanbieter PLM konsequent fort. Mit einer Integration der CNC-Steuerungen von Werkzeugmaschinen entsteht eine völlig neue Dimension der Digitalen Fabrik: Die frühzeitige Definition von Fertigungsprozessen während der Produktentstehung, die Simulation und virtuelle Inbetriebnahme im Schulterschluss mit der Produktentwicklung weist bereits heute über alles hinaus, was CIM zu träumen wagte.

Das gesamte Wissen der Produktentwicklung lässt sich einer Datenbasis verwalten.
Andritz Ritz schafft mit PLM durchgängige Prozesse von der Konstruktion bis zu Fertigung.
Mit PLM senkt Gesa die Time-to-Market von Verkaufsdisplays für Kosmetikfirmen.
Bei Gesa bildet das CAD-System Solid Edge die Basis für eine umfassende PLM-Lösung.
Das PDM-System Teamcenter von Siemens PLM Software etabliert unternehmensweit eine gemeinsame Wissensbasis.
Mittels des schlanken JT-Formats lassen sich Konstruktionsdaten in Teamcenter selbst per E-Mail verschicken.


Zum Firmenprofil >>


Bericht in folgender Kategorie:
Software

Special Digitalisierung der Zerspanungstechnik

WT_Technology-Center_Toolroom_vernetzt.jpg Die aktuell wichtigste Aufgabenstellung für Hersteller und Anwender von Werkzeugmaschinen ergibt sich aus der Digitalisierung der Produktionsumgebungen. Auf der EMO 2017 haben zahlreiche Anbieter IHRE Möglichkeiten für eine Smarte Zerspanung vorgestellt – mit unterschiedlichem Fokus spiegelten sich vielfältige Lösungen zur Vernetzung, Datenanalyse und zu neuen Services wider.
mehr lesen >>

Im Gespräch

/xtredimg/2019/Fertigungstechnik/Ausgabe282/19879/web/Foto_Lang_Otto.jpgLösungen für eine produktive Zerspanung
Walter fehlte diesmal auf der Ausstellerliste der EMO. Otto Lang, Markt Manager Walter Austria verrät, welchen Anforderungen sich der Werkzeugspezialist aktuell stellen muss und welche Rolle Themen wie Digitalisierung bzw. neue Werkstoffe bei Walter spielen.
Interview lesen >>

Newsletter abonnieren