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Die Unsicherheit ist die eigentliche Herausforderung

: Studer


Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 stellte nicht nur die weltweiten Gesundheitssysteme auf den Prüfstand, sondern auch die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen an erschwerte Rahmenbedingungen. Denn plötzlich war alles anders und noch immer ist nicht abzusehen, wann wieder „Normalität“ einkehren wird. Sandro Bottazzo, Geschäftsführer der Fritz Studer AG, bezeichnet demnach den Umgang mit zahlreichen Unsicherheiten als größte Herausforderung bei der Meisterung der aktuellen Krise.

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„Die Corona-Krise hat in einigen Bereichen bereits bestehende Entwicklungen beschleunigt. Ich bin überzeugt, dass gerade die Digitalisierung die Wirtschaft weiter nachhaltig verändern wird respektive diese bereits verändert hat.“ Sandro Bottazzo, Geschäftsführer der Fritz Studer AG

„Die Corona-Krise hat in einigen Bereichen bereits bestehende Entwicklungen...

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise nach nun rund sechs Monaten für Ihr Unternehmen?

Der behördlich verordnete Lockdown brachte viele Unternehmen in eine völlig neue und herausfordernde Situation. Mit den Lockerungen kamen auch die wirtschaftlichen Aktivitäten zurück. Wir bei Studer haben diese Zeit bis jetzt den Umständen entsprechend gut gemeistert.

Ein großer Vorteil und eine besondere Stärke unserer Firma ist die dezentrale Organisation – u. a. auch im Vertrieb und Customer Care-Bereich. Dadurch, dass unsere Verkäufer wie auch unsere Servicetechniker nahe bei unseren Kunden leben, in den größeren Märkten sogar im Umkreis von rund 100 Kilometern, können wir sie auf dem gewohnten Level bedienen. Zudem haben wir am Anfang der Corona-Krise eine eigene Task Force gegründet, wo wir uns mehrmals wöchentlich über die aktuelle Situation in der Schweiz, aber auch weltweit abstimmen und entsprechende Maßnahmen bestimmen.

Was war für Sie das wichtigste Werkzeug, um diese Krise durchtauchen zu können?

Für uns ganz klar die Flexibilität des schweizerischen Arbeitsmarkts sowie unsere weltweite, kundennahe Vertriebs- und Customer Care-Organisation.

Inwiefern könnte die Corona-Krise Ihr Unternehmen nachhaltig verändern? Z. B. Umdenken bei der Ausgestaltung der Lieferketten, Lagerhaltung, Homeoffice, weniger Reisetätigkeit, mehr Remote-Aktivitäten etc.

Den größten Anschub erlebten wir in der Nutzung digitaler Kommunikationskanäle, Skype-Konferenzen beispielsweise kamen vermehrt zum Zug. Dort, wo es Sinn macht und nicht anders möglich ist, haben wir sehr konsequent auf diese Art der Kommunikation umgestellt – mit dem Effekt, dass wir viele Meetings dadurch wesentlich effizienter gestalten können. Wir sind überzeugt, dass sich durch Corona die Art der Kommunikation, zumindest bei uns, nachhaltig verändern wird.

Ist die wirtschaftliche Talsohle bereits durchschritten?

Wir sehen in einzelnen Märkten eine klare Steigerung der Aktivitäten. Gerade auch das Customer Care-Geschäft zieht bei uns wieder stark an. Das zeigt, dass die Auslastung vieler Kunden wieder steigt. Ob die Talsohle wirklich durchschritten ist, hängt aber wesentlich mit der Entwicklung rund um Covid-19 zusammen.

Was würden Sie bei einer zweiten Welle bzw. einem zweiten Lockdown machen?

Ein zweiter kompletter Lockdown wäre für die Wirtschaft sehr herausfordernd. Wir müssen wohl oder übel lernen, mit Situationen wie diesen umzugehen und zu leben.

Inwiefern wird diese Krise die Wirtschaft nachhaltig verändern?

Die Corona-Krise hat in einigen Bereichen bereits bestehende Entwicklungen beschleunigt. Ich bin überzeugt, dass gerade die Digitalisierung die Wirtschaft weiter nachhaltig verändern wird respektive bereits verändert hat. Ein Themenfeld, welches auch für uns als United Grinding Group mit unseren Digital Solutions eine hohe strategische Relevanz hat.

Wann denken Sie ist das „Vor-Krisen-Niveau“ wieder erreicht?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten und vergleicht Rekordniveaus (2018 und auch 2019) mit einer historischen Krise. Und es ist ja nicht nur die eine Krise rund um Covid-19, die es zu meistern gilt. Der Wandel in der Automobilindustrie hat einen zusätzlichen, nachhaltig stärkeren Hebel auf die Nachfrage an Werkzeugmaschinen. Wir glauben jedoch an eine stetige Erholung und marktseitig ist unser Ziel, weiter Marktanteile zu gewinnen.

Welche Krise erleb(t)en Sie als herausfordernder – die Finanzkrise 2008/2009 oder die „Corona-Krise“? Warum?

Die Corona-Krise betrifft jeden und vor allem auch weltweit die meisten Unternehmen. Das öffentliche Leben wird durch viele Maßnahmen erschwert und eingeschränkt. Dies hat u. a. Einfluss auf die weltweite Mobilität, was schlussendlich auch einen Einfluss auf den Maschinenbau hat. Zudem ist
die Gefahr einer zweiten Welle bei Weitem nicht gebannt. Diese Unsicherheit wird uns in den nächsten Monaten weiter begleiten.

Die Unsicherheit ist die eigentliche Herausforderung. Niemand weiß ganz genau, wie lange es dauern wird und welche Maßnahmen noch nötig sein werden.

Wer sind Ihrer Meinung nach die größten Krisengewinner bzw. Krisenverlierer?

Das lässt sich u. a. an den Aktienkursen ablesen. Vor allem Tech-Unternehmen und punktuell auch Pharma- und gesundheitsnahe Unternehmen profitieren sicher von den aktuellen Tendenzen.

Große Verlierer sind die Veranstalter von (Groß-)Anlässen und Sportveranstaltungen. Aber sicher gehört auch der Werkzeugmaschinenbau zu den Branchen, die stark von der aktuellen Situation betroffen ist. Der Vorteil vieler Maschinenbauer ist aber sicher, dass wir gelernt haben, mit der Volatilität der Märkte umzugehen und für unsere Branche ein wirtschaftliches Auf und Ab „zur Normalität“ gehört.



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