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Experten erzählen

Ein Leben ohne Kunststoff klingt umweltbewusst und nachhaltig. Doch eines wird beim Thema Plastik oft vergessen: Ohne die Erfindung dieses Werkstoffes sähe es in Technik, Kommunikation, Medizin, Wohnkomfort und in vielen Bereichen der modernen Zivilisation ganz anders aus. Und ein vollständiger Verzicht auf diesen vielseitigen Werkstoff ist heute nicht mehr möglich.

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Kunststoff-Cluster Büro Oberösterreich der Business Upper Austria – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH Kunststoff-Cluster Büro Niederösterreich der ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH

Kunststoff-Cluster Büro Oberösterreich der Business Upper Austria – OÖ...

Das Plastiksackerl muss nach wie vor als Synonym für Umweltverschmutzung herhalten. Wie gelingt es trotzdem junge Leute für die Kunststoff-Branche zu begeistern?

Wir versuchen mit Zahlen und Fakten gegen billige Polemik zu argumentieren. Eine völlige Verbannung der Kunststoffe um die Umwelt zu schonen wäre unsinnig und kontraproduktiv. Denn der Ersatz sämtlicher Kunststoffverpackungen durch alternative Materialien würde in Europa den jährlichen Energieverbrauch verdoppeln und die Emission von Treibhausgasen fast verdreifachten. Das hat eine Studie, bei der der gesamte Lebenszyklus einer Kunststoffverpackung mit alternativen Verpackungen aus Metall, Glas, Holz oder Papier verglichen wurde, klar gezeigt: Das höhere Gewicht anderer Verpackungen treibt den Energieverbrauch beim Transport deutlich in die Höhe. Außerdem verbessern Kunststoffverpackungen die Haltbarkeit der Nahrungsmittel, was dazu beiträgt, Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

Die Kunststoff-Branche hat sich aber in den Köpfen der Jungen mittlerweile als Hightech-Branche etabliert. Denn Kunststoffe sind unverzichtbare Konstruktionswerkstoffe für technische und wirtschaftliche Innovationen. Egal ob Auto, Flugzeug, Computer, Smartphone, Medizintechnik, Bauwesen – Kunststoff ist allgegenwärtig.

Gleichzeitig wollen wir aber Probleme wie etwa den Plastikmüll in den Ozeanen nicht negieren oder schönreden. Hier gilt es beispielsweise entsprechende Sammelsysteme, wie sie in Österreich bereits vorhanden sind, weltweit zu etablieren und den Werkstoff rohstofflich,
werkstofflich oder thermisch zu rezyklieren. Und gerade österreichische Unternehmen zählen zu den Maschinenbau-Weltmarktführern bei Kunststoff-Recyclinganlagen.

Wie sehen die Berufschancen für junge Leute aus, die sich für eine Ausbildung im Bereich Kunststofftechnologie oder Polymerchemie entscheiden? Und wie sehen die Berufsmöglichkeiten in ein paar Jahren aus?

Eine Ausbildung in der Kunststoff-Branche hat Zukunft! Die Nachfrage nach Kunststoff-Spezialisten ist seit Jahren deutlich größer als das Anbot. Dem wurde und wird auch laufend mit neuen Ausbildungsmöglichkeiten entsprochen. Aber der Bedarf der Unternehmen ist noch lange nicht gedeckt. Sowohl für LehrabsoventInnen als auch AbsolventInnen von kunststoffspezifischen HTLs, Fachhochschulen oder Universitäten sind die Aussichten extrem gut. Und das ist sicher kein kurzfristiger Hype, sondern hält voraussichtlich noch Jahre bzw. Jahrzehnte an.

Wie sehen Sie die Chancen von Frauen bzw. Mädchen in der Kunststoff-Branche?

Die Berufsbilder in der Kunststoff-Branche sind vielfältig. Technikerinnen und Techniker werden in vielen Bereichen gesucht: Chemie, Kunststofftechnik, Metalltechnik, Elektrotechnik, Mechatronik und Produktionstechnik. Bei den Lehrberufen hat das Argument der „körperlichen Anstrengung“ in verschiedenen, v.a. technischen Berufen, schon längst ausgedient. Zahlreiche technische Hilfsmittel erleichtern den Arbeitsalltag, der so auch für Mädchen und Frauen attraktiv ist. Viele Unternehmen in der Kunststoff-Branche beschäftigen weibliche Lehrlinge. Bei akademischen Ausbildungen sind
Frauen in den technischen Studienrichtungen leider noch immer unterrepräsentiert, obwohl Absolventinnen dieser Studien die besten Berufs-, Einkommens- und Karrierechancen haben.

Welche technologischen Trends sehen Sie speziell in der Kunststoff-Branche?

Leichtbau mit faserverstärkten Kunststoffen (sog. Composites) ist momentan ein großes Thema. Aber mittlerweile dringen auch Thermoplaste in Leichtbauanwendungen ein.

Smart Plastics oder Intelligente Kunststoffe bei denen beispielsweise die Elektronik direkt in Kunststoff-Bauteile integriert ist, werden an Bedeutung gewinnen.

Die additiven Fertigungsverfahren, wie zum Beispiel der 3D-Druck, sind im Kommen. Wurden früher nur Prototypen so hergestellt, so werden heutzutage schon voll funktionsfähige Bauteile in 3D-Druck gefertigt.

Materialseitig sind Biokunststoffe immer ein Thema, wobei der Trend hier eher von den bioabbaubaren Kunststoffen hin zu den biobasierten Kunststoffen geht.

Das Thema Energie- und Ressourceneffizienz betrifft fast alle Unternehmen: Maschinenbauer sind gefordert, energieeffiziente Maschinen mit höchster Leistung zu entwickeln. Verarbeiter setzten vermehrt auf ganzheitliche Umweltkonzepte (Wärmerückgewinnung, Null-Abfallstrategie, Lärmreduktion…). Nur so werden die Betriebe im internationalen Umfeld auch künftig wettbewerbsfähig bleiben.


Bericht in folgenden Kategorien:
Oberösterreich, Kunststofftechnik, Unternehmen, Allgemeines

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