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HARTMETALL „ROCKT“!

: Boehlerit


Metallbearbeitung ist nicht gleich Metallbearbeitung. Manchmal braucht es etwas „härtere Geschütze“, um ein Rohteil in die gewünschte Form zu bringen. Boehlerit gilt als Spezialist für solche Fälle. Die Kapfenberger produzieren Werkzeuge und Schneidstoffe aus Hartmetall. Für Jeanette Meierhofer war dies mit ein Grund, warum sie sich ganz gezielt an Boehlerit wandte, als sie nach einem passenden Lehrplatz Ausschau hielt: Sie suchte nämlich nicht nur nach einer Top-Ausbildung, sondern auch nach „Außergewöhnlichem“. Von Sandra Winter, x-technik

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Daniel Gaisrucker, Andreas Teubenbacher und Jeanette Meierhofer (v. l.) loben vor allem auch das gute Arbeitsklima bei Boehlerit.

Daniel Gaisrucker, Andreas Teubenbacher und Jeanette Meierhofer (v. l.) loben...

„Hartmetall ist etwas Spezielles. Das sieht man nicht überall“, begründet Jeanette Meierhofer ihre Lehrstellenwahl, die sie zu Boehlerit führte. Einem Kapfenberger Traditionsbetrieb, der zwar früher zu Böhler gehörte, mittlerweile aber längst Teil der Unternehmensgruppe der Familie Brucklacher ist. Trotzdem kommt es nach wie vor zu Verwechslungen. „Die Marke Boehlerit wurde 1932 für die Hartmetallfertigung des Stahlherstellers Böhler in Düsseldorf gegründet. Seit der Privatisierung im Jahr 1991 gehört Boehlerit zum Leitz Firmenverband in Oberkochen/Deutschland und somit zur heutigen Unternehmensgruppe der Familie Brucklacher (Bilz, Boehlerit und Leitz). Das spiegelt sich beispielsweise auch darin wieder, dass man Boehlerit mit ‚oe‘ und nicht mit ‚ö‘ schreibt.“, erklärt Manuel Hofstadler, Werbeleiter bei Boehlerit.

Was die Firmen Böhler Edelstahl und Boehlerit dennoch bis heute verbindet: Sie teilen sich ein Betriebsgelände und ein Ausbildungszentrum. Denn auch die Boehlerit-Lehrlinge erhalten ihre zweijährige Metalltechnik-Grundausbildung in der hochmodernen Nachwuchsschmiede von Böhler Edelstahl. „Das bringt für unsere angehenden Maschinenbau-, Werkzeugbau- und Zerspanungstechniker den großen Vorteil, dass sie ihre Lehrabschlussprüfung in ihrer gewohnten Umgebung machen können. Das heißt an jenen Maschinen, die sie von ihrer Werkschulzeit her bereits bestens kennen, streicht Gabriele Enzinger, Personalleitung bei Boehlerit, einen Punkt hervor, der bei den Auszubildenden besonders gut ankommt. Seine neu erworbenen Fähigkeiten unter vertrauten Bedingungen unter Beweis stellen zu können, hat nämlich auch eine beruhigende Wirkung.

Spitzen-Betriebsklima

Grundsätzlich bildet Boehlerit in vier Lehrberufen
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Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell, wo die wahren Stärken jedes einzelnen Auszubildenden liegen.

Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell,...

aus: Drei „Metaller“ – Maschinenbau-, Werkzeugbau- und Zerspanungstechniker – sowie Anlagen- und Betriebstechniker. „Es gelingt uns aber leider nicht jedes Jahr, qualifizierten Nachwuchs für alle diese Sparten zu finden“, bedauert Personalleiterin Gabriele Enzinger. Wobei „qualifiziert“ für den Kapfenberger Hartmetall-Spezialisten Folgendes bedeutet: Die Anwärter müssen einen Aufnahmetest im Ausbildungszentrum bestehen, bei dem vor allem die Grundrechnungsarten, räumliches Vorstellungsvermögen und logisches Denken abgefragt werden. Danach heißt es im Unternehmen ein wenig Praxisluft schnuppern.

Für Andreas Teubenbacher, mittlerweile Betriebselektriker im dritten Lehrjahr, war es nach einem vierwöchigen Ferialpraktikum sonnenklar, dass er ins Boehlerit-Team aufgenommen werden will. „Daran wie die Kollegen mit dir reden und wie sie mit dir umgehen erkennst du sofort, ob das passt oder nicht. Und das Arbeitsklima hier hat mich sofort überzeugt. Obwohl alleine an diesem Standort hier in Kapfenberg rund 500 Mitarbeiter tätig sind, geht es trotzdem noch familiär zu. Jeder hilft jedem“, schwärmt der 18-Jährige. „Mir gefällt es, dass man jeden Tag etwas anderes macht und dass ich manche Arbeiten mittlerweile auch schon selbständig durchführen darf“, ergänzt er.

Selbständiges Arbeiten wird auch bei den angehenden Metalltechnikern von Anfang an gefördert. „Da unsere Lehrlinge ohnehin zwei Jahre lang im Böhler-Ausbildungszentrum bestens geschult werden bevor sie zu uns in den Betrieb kommen, können wir gleich durchstarten. Die erste Zeichnung bekommen sie bereits nach wenigen Tagen von mir vorgelegt und dann frage ich immer: Na, wie würdest du das angehen“, verrät Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit. Seinen Angaben zufolge sehe man sehr schnell, wo die wahren Stärken jedes einzelnen Auszubildenden liegen. „Da gibt es teilweise
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Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell, wo die wahren Stärken jedes einzelnen Auszubildenden liegen.

Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell,...

erhebliche Unterschiede. Einer, der sich beim CNC-Programmieren schwertut, arbeitet vielleicht auf einer Drehmaschine als hätte er bereits langjährige Erfahrung damit. Auf solche ‚angeborenen‘ Talente und Fähigkeiten nehmen wir natürlich bei der Aufgabenverteilung Rücksicht“, betont mit Dieter Cero einer, der laut Personalleiterin Gabriele Enzinger viel Gespür und Einfühlungsvermögen im Umgang mit jungen Leuten beweist. Eine Einschätzung, die auch die „Betroffenen“ bestätigen: „Unsere Ausbildner sind super. Man wird vom ersten Tag bis zur Lehrabschlussprüfung begleitet und wenn man etwas braucht, kann man jederzeit kommen“, sind sich Jeanette Meierhofer, Andreas Teubenbacher und Daniel Gaisrucker einig.

„Scharf“ auf Hartmetall und CNC-Maschinen

Jeanette Meierhofer hatte bereits eine erfolgreich abgeschlossene Tischlerlehre in der Tasche, als sie im Internet nach einer neuer Herausforderung Ausschau hielt. „Ich wollte etwas Anderes machen. Etwas, das mir mehr Möglichkeiten bietet“, erinnert sich die 25-Jährige, was sie auf Boehlerit stoßen ließ. Schließlich hatte sie ganz bewusst das Wort „Hartmetall“ in die Suchmaske eingetragen. Mittlerweile befindet sich Jeanette als angehende Zerspanungstechnikerin bereits im dritten Lehrjahr. Und sie hat ihren Wechsel in die Metalltechnikbranche noch keine Sekunde lang bereut. „Die Ausbildung ist sehr vielseitig. Man muss mehrere Abteilungen durchlaufen und bekommt angefangen vom Schweißen bis zum Drehen, Fräsen und normalen Feilarbeiten quer durch die Bank allerhand Interessantes geboten. Im Zerspanungslabor war ich auch schon. Da werden die ganzen Schneidstoffe und Werkzeuge von Boehlerit getestet“, erzählt Jeanette.

Momentan ist sie in der Formgebung im
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Daniel Gaisrucker wählte Maschinenbautechnik als Hauptmodul, weil es ihm schon von klein auf im Blut liegt, Maschinen komplett zu zerlegen und von Grund auf neu aufzubauen.

Daniel Gaisrucker wählte Maschinenbautechnik als Hauptmodul, weil es ihm schon...

Einsatz. Zu ihren Aufgaben zählt die Programmierung und Bestückung einer computergesteuerten Drehmaschine, auf der Fräseraufnahmen hergestellt werden. Eine Tätigkeit, bei der ein gewisser Nervenkitzel inklusive ist. Denn etwaige Denk- oder Tippfehler bei der CNC-Programmierung werden umgehend bestraft. „Man hört bzw. sieht es sofort, wenn etwas schiefgeht. Und so etwas vergisst man nie! Wer einmal ein Werkstück mit einem Zerspanungswerkzeug beschädigt hat, passt beim nächsten Mal bestimmt besser auf. So etwas bleibt hängen“, weiß Jeanette aus Erfahrung.

Obwohl sie mittlerweile weitaus mehr Routine beim Umgang mit computergesteuerten Maschinen hat als ganz am Anfang, findet sie das Thema CNC-Programmierung nach wie vor extrem spannend: „Jedes Werkstück ist anders, die zu bearbeitenden Materialien variieren und keine Maschine gleicht 1:1 einer anderen. Somit wird´s immer wieder interessant, wenn das erste Teil nach einem selbst geschriebenen Programm gefertigt wird: Passt das? Geht das?“, beschreibt die angehende Zerspanungstechnikerin diesen besonderen Kick beim CNC-Programmieren, von dem sie gar nicht genug kriegen kann.

Schrauben und Selbermachen

Ganz anders Daniel Gaisrucker: Der 21-Jährige hat es nicht so sehr „mit dem Rumtippseln am Computer“, wie er es ausdrückt. Er will lieber selber Hand anlegen und machen als „bloß“ einzustellen und zuzuschauen wie eine Maschine für ihn arbeitet. Demzufolge entschied er sich für einen anderen Metalltechnik-Zweig als Jeanette. Er wählte eine Maschinenbautechnik-Lehre. „Ich habe schon immer zwischen Mechaniker und Maschinenbautechniker hin und her überlegt. Mir gefällt beides. Jetzt ist es so, dass ich zwischen 6 und 14 Uhr hier im Betrieb schraube und am Nachmittag
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Zu den Aufgaben von Jeanette Meierhofer, einer angehenden Zerspanungstechnikerin, zählt z. B. die Programmierung und Bestückung einer computergesteuerten Drehmaschine.

Zu den Aufgaben von Jeanette Meierhofer, einer angehenden Zerspanungstechnikerin,...

an meinem Auto weitermache“, schmunzelt einer, der bereits ausgelernter Mechaniker war als er sich bei Boehlerit um eine Lehrstelle bewarb. „Mich reizten vor allem die geregelten Arbeitszeiten. Als Mechaniker gehst du um 8 Uhr morgens weg und kommst erst um 18 Uhr heim. Hier habe ich, egal ob Früh- oder Nachmittagsschicht, immer einen halben Tag zur freien Verfügung“, erklärt Daniel.

Vor kurzem ist für ihn das vierte Lehrjahr angebrochen. Ein Ende seiner Ausbildungszeit ist also bereits abzusehen. „Ich will nach der Lehrabschlussprüfung endlich mal ein bisschen Geld verdienen und Boehlerit ist eine super Firma. Die Kollegen sind nett, die Arbeitszeiten lässig und die Arbeit selbst ist cool und abwechslungsreich. Vor allem ich als Maschinenbautechniker habe jeden Tag etwas anderes zu tun“, zeigt sich der „Selbermacher aus Leidenschaft“ mit seiner Berufswahl sichtlich zufrieden. Denn Maschinen komplett zu zerlegen und von Grund auf neu aufzubauen, liegt ihm schon von klein auf im Blut und bei Boehlerit kann er sich diesbezüglich voll entfalten und „austoben“.

Jeanette, Andreas und Daniel sind „nur“
drei Beispiele von vielen. Insgesamt ergreifen jedes Jahr zwischen sieben und neun junge Menschen die Chance, bei Boehlerit eine gute und sichere berufliche Heimat zu finden. Denn engagierte Nachwuchstalente mit einer „Schwäche“ für Hartmetall sind bei den Kapfenbergern immer „WANTED“.

Kurzprofil:

• Zerspanungstechnik, Werkzeugbautechnik, Maschinenbautechnik

• Hersteller von Schneidstoffen aus Hartmetall für die Zerspanungstechnik

• 500 Mitarbeiter, 24 Lehrlinge

• Steiermark, Kapfenberg

www.boehlerit.at

Daniel Gaisrucker, Andreas Teubenbacher und Jeanette Meierhofer (v. l.) loben vor allem auch das gute Arbeitsklima bei Boehlerit.
Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell, wo die wahren Stärken jedes einzelnen Auszubildenden liegen.
Laut Dieter Cero, Lehrlingsbeauftragter bei Boehlerit, sehe man sehr schnell, wo die wahren Stärken jedes einzelnen Auszubildenden liegen.
Daniel Gaisrucker wählte Maschinenbautechnik als Hauptmodul, weil es ihm schon von klein auf im Blut liegt, Maschinen komplett zu zerlegen und von Grund auf neu aufzubauen.
Zu den Aufgaben von Jeanette Meierhofer, einer angehenden Zerspanungstechnikerin, zählt z. B. die Programmierung und Bestückung einer computergesteuerten Drehmaschine.
Dieter Cero erklärt seinen Lehrlingen die technischen Rafinessen von Boehlerit-Präzisionswerkzeugen.



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Bericht in folgenden Kategorien:
Steiermark, Zerspanungstechniker, Metalltechniker

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