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Lehre Metalltechnik: Was muss ich wissen

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Ehemalige Metalltechnik-Lehrlinge gründen oftmals ihr eigenes Unternehmen. Sie lassen sich in Geschäftsführungen genauso finden wie in Vorstandsetagen. Sie fungieren als Ausbildner oder Teamleiter und manche von ihnen bleiben auch ein ganzes Berufsleben lang „ihren“ Maschinen treu. Mit einem Wort: Zwei Jahre Grundausbildung plus eineinhalb bis zwei Jahre weiterführendes Training in einer oder mehreren Spezialdisziplinen machen „ready“ für Vieles! Von Sandra Winter, x-technik

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Die manuelle Bearbeitung von Werkstoffen gehört für Ausbildungsleiter Alois Dürnberger (li. im Bild) nach wie vor zum „kleinen Einmaleins“ eines Metalltechnikers: Dabei lerne man viel über Qualität, aber auch Arbeitssicherheit und Sauberkeit.

Die manuelle Bearbeitung von Werkstoffen gehört für Ausbildungsleiter Alois...

Rein statistisch betrachtet befindet sich die Metalltechnik-Lehre schon seit geraumer Zeit auf der Überholspur. Bei den Burschen ist diese bereits seit 2011 die unangefochtene Nummer 1 in den Beliebtheitscharts und selbst bei den Mädchen taucht sie mittlerweile unter den Top Ten auf. Obwohl es in Sachen Berufswahl nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern gibt: Im letzten Jahr waren es laut Wirtschaftskammer Österreich ganz konkret 939 Mädels und 9.807 Jungs, die sich für diese modular aufgebaute Ausbildung entschieden. „Mich haben die zahlreichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten überzeugt, die diese Lehre mit sich bringt“, begründet beispielsweise Jeanette Meierhofer, Zerspanungstechnikerin im dritten Lehrjahr bei Boehlerit, was sie in Richtung Metalltechnik trieb. Und dem teilweise immer noch vorherrschenden Vorurteil, dass die Arbeit mit Maschinen und Werkzeugen eher „reine Männersache“ sei kann Sarah Stiefmüller, angehende Werkzeugbautechnikerin und Kunststoffformgeberin bei MAN Truck & Bus, ebenfalls nur aufs Entschiedenste widersprechen: „Als Mädchen hat man definitiv keinen Nachteil in technischen Berufen. Es ist eigentlich genau anders rum – alle sind voll lieb zu uns“, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Mehrere Berufe in einem

Drehen, Bohren, Fräsen, Schweißen, Sägen, Feilen, Schmieden und einiges andere mehr – Wofür früher einmal Schmiede, Fahrzeugfertiger, Blech-, Stahlbau-, Bau- und „normale“ Schlosser zuständig waren, wird heute von Metalltechnikern erledigt. Denn als Modullehrberuf angelegt deckt dieser Berufszweig mittlerweile ein sehr breites Betätigungsfeld ab. Trotzdem dauert diese Ausbildung nur dreieinhalb (Grundmodul + ein Hauptmodul) oder vier Jahre (Grundmodul + zwei Hauptmodule oder Grundmodul + ein Hauptmodul + ein Spezialmodul). In den ersten zwei Jahren erfolgt die Vermittlung
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Im ersten Lehrjahr stehen manuelle Grundkenntnisse am Ausbildungsplan. Neben den Tätigkeiten wie Feilen, Bohren, Reiben, Gewindeschneiden und Schleifen steht auch das Thema der Werkzeugkunde im Fokus.

Im ersten Lehrjahr stehen manuelle Grundkenntnisse am Ausbildungsplan. Neben...

einer soliden Basis – das Grundmodul ist bei allen Metalltechnik-Lehrlingen gleich! – während es in der zweiten Halbzeit um die Spezialisierung in eine bestimmte Richtung geht. Dafür stehen insgesamt acht Hauptmodule – Maschinenbautechnik (H1), Fahrzeugbautechnik (H2), Metallbau- und Blechtechnik (H3), Stahlbautechnik (H4), Schmiedetechnik (H5), Werkzeugbautechnik (H6), Schweißtechnik (H7), Zerspanungstechnik (H8)– sowie vier Spezialmodule – Automatisierungstechnik (S1), Designtechnik (S2), Konstruktionstechnik (S3) sowie Prozess- und Fertigungstechnik (S4)– als Kombinationsbausteine zur Auswahl.

Zuerst die Basics, dann die Kür

Laut Alois Dürnberger, Ausbildungsleiter bei MAN in Steyr, sind es die Grund- sowie die vielen Fachmodule, gerade in der ersten Hälfte der Lehrzeit, in denen die eigentliche Basis für den weiteren Berufsweg geschaffen wird: „Das ist der Sockel, auf dem alles Nachfolgende aufbaut. Deshalb ist ein solides Fundament in meinen Augen besonders wichtig“, betont er. Die manuelle Bearbeitung von Werkstoffen gehört für ihn demnach genauso zum „kleinen Einmaleins“ eines Metalltechnikers wie die Anfertigung normgerechter technischer Zeichnungen, die Verwendung von Messgeräten und Lehren oder maschinelles Drehen, Bohren und Fräsen. „Beim Feilen beispielsweise mag es sich vielleicht sogar um eine aussterbende Technologie handeln, aber man lernt dabei irrsinnig viel über Qualität, Ebenheit, Winkeligkeit oder Sauberkeit usw. – alles Themen, die jeden, der in der Metalltechnik-Branche tätig ist, ständig und überall begleiten“, streicht Alois Dürnberger hervor.

Besonders interessant wird es für die Auszubildenden natürlich, wenn sich das Gelernte erstmals in einem Produkt widerspiegelt. Sarah
Stiefmüller hat bereits einige selbst gefertigte Übungsteile bei sich zu Hause aufgestellt: „Man ist wirklich stolz darauf, wenn das Ergebnis so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat. Wenn man selbst merkt: Okay voll super, was ich da gemacht habe“, beschreibt die künftige Werkzeugbautechnikerin und Kunststoffformgeberin. Ein konkretes Beispiel für ein Werkstück, das bereits im ersten Lehrjahr, also noch während des Grundmoduls auf der „To-do-List“ des Berufsnachwuchses stehen könnte, ist die Hebelschere. Denn bei der Herstellung solch eines Blechbearbeitungswerkzeugs sind gleich einige Metalltechniker-Fähigkeiten gefragt: U a. Drehen, Fräsen, Schleifen und Schweißen. Sogar das Thema Wärmbehandlung spielt hier hinein, weil die Schnittmesser zu härten sind.

Ab der zweiten Hälfte der Lehrzeit stehen dann der fachspezifische Feinschliff sowie die Tätigkeiten in den Betriebsfachabteilungen im Mittelpunkt der Metalltechnik-Ausbildung. Je nach gewähltem Haupt- bzw. Spezialmodul werden bestimmte Fertigkeiten besonders intensiv geschult. Nähere Details dazu gibt’s auf den folgenden Seiten!

Die manuelle Bearbeitung von Werkstoffen gehört für Ausbildungsleiter Alois Dürnberger (li. im Bild) nach wie vor zum „kleinen Einmaleins“ eines Metalltechnikers: Dabei lerne man viel über Qualität, aber auch Arbeitssicherheit und Sauberkeit.
Im ersten Lehrjahr stehen manuelle Grundkenntnisse am Ausbildungsplan. Neben den Tätigkeiten wie Feilen, Bohren, Reiben, Gewindeschneiden und Schleifen steht auch das Thema der Werkzeugkunde im Fokus.
Die Nachwuchs-Metalltechniker lernen bereits im ersten Lehrjahr, z. B. eine Hebelschere zu fertigen: Dabei sind u. a. Dreh-, Fräs-, Schleif- und Schweißfähigkeiten gefragt.


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