Fachverlag x-technik
search
 

Schließen

PDF


Mit einbaufertiger Automatisierungstechnik die unterschiedlichsten Gefäße vermessen und markieren

: Festo


Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, darüber scheiden sich seit jeher die Geister. Ob aber der Füllstrich eines Glases immer an der richtigen Stelle sitzt, wird zumeist nicht hinterfragt – von Manuel Bernroitner schon. Und so erfand der junge Tüftler aus Oberösterreich ein neues, patentiertes Füllstrich-Setzverfahren, das für mehr Effizienz sorgt. Dabei im Einsatz: einbaufertige Automatisierungstechnik von Festo.

/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Glas-Rendering-m-FS.jpg
Glas Rendering mit Füllstrich.

Glas Rendering mit Füllstrich.

Am Anfang steht eine Idee im Raum, dann folgt eine Vision und dann beginnt die harte Arbeit. Oft ist es für Start-ups ein weiter Weg, der meist im Kleinen beginnt. Nicht umsonst nahm so manche unternehmerische Erfolgsstory in einer Garage ihren Lauf – man denke nur an Microsoft oder Apple. Viel vor, das hat auch der junge Oberösterreicher Manuel Bernroitner – und zwar von einer Garage in Roßbach aus, die ihm schon lange als Experimentierplatz dient. Bereits als Kind war er fasziniert von Naturwissenschaften und „tollen automatischen Maschinen“. Und so stand sein Berufswunsch schnell fest: er wollte Erfinder werden.

Mit Erfindergeist in die Zukunft

Gesagt, getan. Außer, dass aus der ursprünglich geplanten, vollautomatischen Wasch-, Trocken- und Bügelanlage, die der Maschinenbauer seiner Mutter versprochen hatte, rund zwei Jahrzehnte später die weltweit erste Anlage zur flüssigkeitslosen Positionierung von Füllstrichen auf Gläsern wurde – etwas, wovon auch die Gastronomie profitiert. Denn damit bestimmt genug im Glas ist, werden die Füllstriche oft vorsichtshalber etwas höher gesetzt, um produktionsbedingte Schwankungen der Glasstärke auszugleichen. Gerade bei einem hochwertigen oder hochprozentigen Inhalt kann das aber deutlich zu Buche schlagen und schnell ein oder sogar zwei Gläschen mehr bzw. weniger pro Flasche ausmachen.

Kleiner Strich, große Herausforderung

„Die Genauigkeitsanforderungen sind in diesem Bereich sehr hoch. Jedoch sind – vor allem bei großen Gläser-Chargen
/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Messkopfe_be.jpg
Vakuumsauger heben die Gläser auf die Messköpfe. Das Vakuum wird durch die hohle Kolbenstange der proportionaldruckgeregelten ADN Zylinder geführt.

Vakuumsauger heben die Gläser auf die Messköpfe. Das Vakuum wird durch die...

– die Füllstriche nicht immer exakt an der gleichen Stelle, was am Produktionsprozess liegt“, erklärt Bernroitner. „Bei der Herstellung verbleibt oft ein Luftpolster zwischen der Form und dem flüssigen Glas. Dabei kann es zu Konturabweichungen von mehreren Millimetern kommen – vor allem unten beim Stielansatz“, geht er ins Detail.

Eine neue EU-Richtlinie erlaubt allerdings – je nach Glasvolumen – nur mehr eine Inhaltsabweichung von maximal fünf Prozent. Mit dem Effekt, dass man „bei einer hohen Anzahl, vor allem kleiner Gläser wie etwa für 0,1 oder 1/8 Liter, nur mehr schwer gesetzeskonforme Füllstriche setzen kann", erklärt der Jungunternehmer.

Der Schritt zum weltweiten Patent

Angetrieben von seinem Innovationsgeist überlegte sich Bernroitner schließlich ein neues Verfahren. Das Ergebnis ist die erste vollautomatische Füllstrich-Setzanlage, deren weltweite Patentierung nun eingeleitet ist und in der reichlich einbaufertige Automatisierungstechnik von Festo steckt. Nun können Gläser erstmals ohne Flüssigkeitseinsatz und Gefäßverschmutzung vermessen und die Füllstriche punktgenau angebracht werden.

„Mein Plan war von Anfang an, bei diesem Prozess auf Wasser verzichten zu können. Denn das Wasser bedingt, dass die Gläser wieder getrocknet werden müssen und das braucht Lagerplatz und kostet Energie. Darum habe ich zunächst eingehend analysiert, welche Möglichkeiten theoretisch
/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Greifer.jpg
Ein HGPL Greifer hält das Glas bei der Beschriftung des Bodens mit einem Laser im richtigen Abstand zur Linse. (Bilder: Festo/Lille/Bernroitner)

Ein HGPL Greifer hält das Glas bei der Beschriftung des Bodens mit einem Laser...

funktionieren – von der optischen Vermessung bis zur Ultraschallabtastung“, blickt Bernroitner, heute Geschäftsführer und Gesellschafter der Glass Processing Bernroitner GmbH (GPB), auf seine Tüftlerzeit zurück.

Die Lösung glasklar vor Augen

Schon bald war klar, welche Lösung die beste ist: „Wir dichten die Gläser ab und saugen die darin befindliche Luft heraus. Dabei messen wir die Luftmenge und schließen auf das Volumen des Glases“, erklärt der 26-Jährige. Vor der Messung wird ein statistischer Zusammenhang zwischen Volumen und Füllstrichposition hergestellt, damit später anhand dieser Berechnungen auf jedem Glas eine möglichst exakte Kennzeichnung erfolgen kann. Zunächst werden rund 20 Gläser zufällig aus der Charge ausgewählt, ihr Volumen gemessen und die Position des Füllstrichs ermittelt. Diese Informationen werden als Berechnungsgrundlage in die Maschine eingegeben. „Mit dieser neuen Methode erreichen wir beim Setzen der Füllstriche eine ausgezeichnete, zuvor kaum erreichte, gesetzeskonforme Genauigkeit – und das bei jedem Glas“, freut sich Manuel Bernroitner.

Neuer Prozess mit neuer Präzision

Apropos Genauigkeit: Die Gläser werden zuerst manuell oder mittels Roboter in die Maschine eingebracht. Ein Förderband bringt sie zu einer Stoppvorrichtung. Die Gläser werden positioniert, mithilfe eines Handlingmoduls direkt auf die vorhandenen Messköpfe aufgesetzt
/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Personen.jpg
Manuel Bernroitner, Geschäftsführer und Gesellschafter von GPB, und Philipp Janata, Festo Sales: Nicht nur die Komponenten laufen rund – auch die Zusammenarbeit zwischen GPB und Festo funktioniert bestens.

Manuel Bernroitner, Geschäftsführer und Gesellschafter von GPB, und Philipp...

und dadurch abgedichtet. Dann wird evakuiert – d.h. in diesem Zusammenhang, dass die Luft herausgesaugt und gemessen wird. Dadurch kann die Füllstrichposition des Glases exakt bestimmt werden.

Von den Messköpfen werden die Gläser schließlich auf ein Auslaufband gehoben. Ein Laser bringt im Sekundentakt die Füllstriche „on-the-fly“ an der richtigen Stelle an. Je nach Kundenbedarf kann alternativ auch eine Siebdruckanlage zum Einsatz kommen. Flexibilität wird dabei generell großgeschrieben: So kann die Anlage für Stückzahlen zwischen 400 und 4.500/h und für ein bis drei Füllstriche ausgelegt werden.

Automation aus einer Hand

Für die nötige Flexibilität sorgt elektrische und pneumatische Antriebstechnik von Festo. Der Automationsspezialist bringt als Komplettlieferant Bewegung ins Spiel. Und diese beginnt bereits auf dem Förderband, das die Gläser – von einem Schrittmotor EMMS-ST angetrieben – sicher transportiert. „Die eingesetzte ServoLite-Technologie macht die exakte Positionierung mit einem geschlossenen Regelkreis möglich. Das heißt, die Gläser müssen danach nicht mehr extra ausgerichtet werden“, unterstreicht Bernroitner.

Online zur optimalen Lösung

DSBC
/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Handling.jpg
Einbaufertig an die Maschine: Das über den HGO (Handling Guide Online) konfigurierte Handling YXCL-3 fungiert als y/z-Achse zum Aufsetzen der Gläser.

Einbaufertig an die Maschine: Das über den HGO (Handling Guide Online) konfigurierte...

Normzylinder stoppen die Gläser und Vakuumsauger heben sie auf die Messköpfe. Das Vakuum wird durch die hohle Kolbenstange der proportionaldruckgeregelten ADN Zylinder geführt. Als y/z-Achse kommt beim Aufsetzen der Gläser ein Handling YXCL-3 zum Einsatz.

Konfiguriert hat Manuel Bernroitner die Lösung mit dem HGO, dem praktischen Handling Guide Online von Festo. „Das war wirklich hilfreich. Ich konnte eine maßgeschneiderte Lösung zusammenstellen, die Festo dann fertig montiert und geprüft geliefert hat. Darüberhinaus war es möglich, die CAD-Dateien zu meiner Lösung sofort herunterzuladen und in die Gesamtkonstruktion einfügen. Das brachte eine große Zeitersparnis bei der Konstruktion und auch der Montage", so Bernroitner.

Alles fest im Griff mit IO-Link

Vollautomatisch geht es auch bei der nächsten Station weiter: dem Lasern. Ein HGPL Parallelgreifer hält das Glas dabei genau in Position. Zur groben Höhenverstellung der Laser kommen elektrische Antriebe der OMS-Reihe zum Einsatz. Angesteuert werden alle pneumatischen Antriebe über die Ventilinsel VTUG.

„Mit IO-Link haben wir auf das beste Pferd gesetzt. Die Gesamtkommunikation läuft über ein einziges Kabel, deshalb haben wir uns viel Verdrahtungsaufwand gespart und sind zukunftssicher aufgestellt“, erklärt Bernroitner. Die Druckluftaufbereitung erfolgt mithilfe einer MSB6 Wartungseinheit. Die Ansteuerung der E-Antriebe übernehmen die
/xtredimg/2018/Automation/Ausgabe226/16530/web/Schrittmotor_be.jpg
Der Schrittmotor EMMS-ST treibt das Förderband an. Vorteil: die ServoLite-Technologie ermöglicht die exakte Positionierung mit einem geschlossenen Regelkreis.

Der Schrittmotor EMMS-ST treibt das Förderband an. Vorteil: die ServoLite-Technologie...

vielseitigen Motorcontroller CMMO und CMMP von Festo.

Bestellfertige Lösung

Nicht nur die Komponenten laufen rund – auch die Zusammenarbeit zwischen GPB und Festo funktioniert bestens. „Unsere Erfahrungen waren durchwegs positiv. Ich habe meine Anfrage an Herrn Janata vom Sales-Team geschickt und er hat sie in kürzester Zeit bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und sogar weiterentwickelt bzw. optimiert“, so Manuel Bernroitner. Das Ergebnis war eine bestellfertige Automationslösung aus einer Hand, die viele Eventualitäten abdeckt: „Wir können mit unserer Anlage, ohne viele Handgriffe, die unterschiedlichsten Gefäße verschiedenster Hersteller vermessen und markieren", freut sich Bernroitner über das Ergebnis.

Das Ziel heißt Weltmarkt

Nicht nur die Flexibilität ist ein großes Plus, sondern auch die Ersparnis auf mehreren Ebenen: „Früher musste zum Messen jedes Glas mit einer Flüssigkeit gefüllt werden, um die Füllstrichposition definieren zu können – das war ein riesiger Logistik- und Energieaufwand, der sehr viel kostet und sehr zeitintensiv ist. Dank des neuen vakuumbasierten, flüssigkeitslosen und schmutzfreien Messverfahrens fällt der komplette Nass-/Trocknungsprozess weg.“ Und das ist nur der Anfang – der junge Techniker hat Expansion im Auge – der Weltmarkt ist das Ziel. Eine weitere Anlage ist bereits in Planung – der nächste Schritt, um von der Garage
in Oberösterreich aus international erfolgreich zu sein.



Glas Rendering mit Füllstrich.
Vakuumsauger heben die Gläser auf die Messköpfe. Das Vakuum wird durch die hohle Kolbenstange der proportionaldruckgeregelten ADN Zylinder geführt.
Ein HGPL Greifer hält das Glas bei der Beschriftung des Bodens mit einem Laser im richtigen Abstand zur Linse. (Bilder: Festo/Lille/Bernroitner)
Manuel Bernroitner, Geschäftsführer und Gesellschafter von GPB, und Philipp Janata, Festo Sales: Nicht nur die Komponenten laufen rund – auch die Zusammenarbeit zwischen GPB und Festo funktioniert bestens.
Einbaufertig an die Maschine: Das über den HGO (Handling Guide Online) konfigurierte Handling YXCL-3 fungiert als y/z-Achse zum Aufsetzen der Gläser.
Der Schrittmotor EMMS-ST treibt das Förderband an. Vorteil: die ServoLite-Technologie ermöglicht die exakte Positionierung mit einem geschlossenen Regelkreis.
CMMO und CMMP Motorcontroller steuern die E-Antriebe auf der Füllstrich-Setzanlage.
Alle pneumatischen Antriebe werden über die Ventilinsel VTUG über IO-Link angesteuert.


Zum Firmenprofil >>



Special Digitalisierung der Zerspanungstechnik

WT_Technology-Center_Toolroom_vernetzt.jpg Die aktuell wichtigste Aufgabenstellung für Hersteller und Anwender von Werkzeugmaschinen ergibt sich aus der Digitalisierung der Produktionsumgebungen. Auf der EMO 2017 haben zahlreiche Anbieter IHRE Möglichkeiten für eine Smarte Zerspanung vorgestellt – mit unterschiedlichem Fokus spiegelten sich vielfältige Lösungen zur Vernetzung, Datenanalyse und zu neuen Services wider.
mehr lesen >>

Im Gespräch

/xtredimg/2019/Fertigungstechnik/Ausgabe282/19879/web/Foto_Lang_Otto.jpgLösungen für eine produktive Zerspanung
Walter fehlte diesmal auf der Ausstellerliste der EMO. Otto Lang, Markt Manager Walter Austria verrät, welchen Anforderungen sich der Werkzeugspezialist aktuell stellen muss und welche Rolle Themen wie Digitalisierung bzw. neue Werkstoffe bei Walter spielen.
Interview lesen >>

Newsletter abonnieren