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Ohne Metall läuft gar nix

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In den letzten 8.000 Jahren ist es für die Menschheit zu einer Selbstverständlichkeit geworden, mit Metallen zu arbeiten und diese für unterschiedlichste Zwecke einzusetzen. Eine Welt ohne Metalle ist für uns heute gar nicht mehr vorstellbar. Und diese sähe für unsere vom technologischen Fortschritt verwöhnten Augen auch ziemlich trist aus: Keine Autos. Kein Handy. Kein Coca-Cola oder Red Bull in Dosen. Und auch von den ganzen industriellen Revolutionen – egal ob erste, zweite, dritte oder vierte – wäre weit und breit nichts in Sicht. Von Sandra Winter, x-technik

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Ein Meilenstein in der menschlichen Evolution: Die Fähigkeit, Metalle in Form zu bringen, gilt als die wichtigste Errungenschaft für den technologischen Fortschritt.

Ein Meilenstein in der menschlichen Evolution: Die Fähigkeit, Metalle in Form...

„Ohne Stahl bricht alles zusammen. Selbst die Bilder fallen von den Wänden“, bringt der diplomierte Physiker und promovierte Philosoph Dr. Karlheinz Steinmüller mit wenigen Worten sehr pointiert auf den Punkt, welch tragende Rolle Metalle in der heutigen Welt spielen. Und das in den unterschiedlichsten Bereichen. Ohne Aluminium, Eisen, Kupfer und Konsorten gäbe es weder Autos, noch Züge, Flugzeuge oder Schiffe. Weder Handys noch Funkmasten. Weder die erste noch die vierte industrielle Revolution, denn bei der ersten waren Maschinen mit ihrem Körper aus Stahl als neues Rückgrat der Wirtschaft gefragt und jetzt im Zeitalter der Digitalisierung stehen sie nach wie vor im Mittelpunkt eines zunehmend automatisiert ablaufenden Fertigungsgeschehens. Außerdem steigt die Zahl der Anwendungen, bei denen Metallwerkzeuge ihre Form gebenden Fähigkeiten unter Beweis stellen sollen, kontinuierlich: Es gibt kaum mehr ein Produkt, für dessen Herstellung es nicht an irgendeiner Stelle die Zerspanungstechnik braucht.

Metalltechniker – ein „göttlicher“ Beruf

Wann genau bzw. wo die Menschheit erstmals auf Metalle stieß, darüber herrscht bis heute Uneinigkeit unter Wissenschaftlern und Archäologen. Fakt ist, dass drei von ihnen die Welt dermaßen tiefgreifend veränderten, dass ganze Zeitepochen – Kupfersteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit – nach ihnen benannt wurden. Was ebenfalls historisch überliefert, aber dennoch vielleicht nicht allgemein bekannt ist: Wer sich beruflich mit Metalltechnik beschäftigt, wandelt eigentlich auf göttlichen Spuren. In der griechischen Mythologie gibt es nämlich mit Hephaistos einen eigenen Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Laut Wikipedia war Hephaistos für das gesamte künstlerische Spektrum der Metallverarbeitung zuständig, einschließlich der Herstellung von Geschmeiden, Waffen, sakral-rituellen und profanen Gebrauchsgegenständen.
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In der griechischen Mythologie gibt es mit Hephaistos einen eigenen Gott des Feuers und der Schmiedekunst.

In der griechischen Mythologie gibt es mit Hephaistos einen eigenen Gott des...

Kein Wunder also, dass Schmiede damals einen besonderen Status innehatten in der Gesellschaft: Immerhin hielten sie das Know-how und somit den Schlüssel für die Erzeugung von Gütern in Händen, die den Menschen in vielerlei Hinsicht dienlich waren – vor allem auch bei der Jagd.

Moderne Maschinen – statt eigener Muskelkraft

Genauso wie der steinerne Faustkeil Modernerem weichen musste, befindet sich auch die Metallbearbeitungsbranche selbst in einem steten Wandel: Das Berufsbild des Schmieds floss in den Modullehrberuf Metalltechnik ein. Statt eines „Allrounders“ für sämtliche Metalltechnik-Belange wie es wie vorhin kurz geschildert bei den Griechen der Fall war, gibt es längst mehrere, differenziertere Berufsbilder, die sich auf bestimmte Teilbereiche spezialisiert haben. Und vieles, was früher nur mit eigener Muskelkraft zu bewerkstelligen war, wird heute teilweise sogar vollkommen autonom von Maschinen erledigt. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand: Kein Mensch der Welt könnte so schnell, konstant präzise und wiederholbar genau agieren wie ein computergesteuertes (CNC)-Bearbeitungszentrum. Auf der anderen Seite braucht es aber mehr denn je jemanden, der solche universell einsetzbaren, hochkomplexen Maschinen programmieren bzw. bedienen kann. Und da kommt dann doch wieder der Metalltechniker ins Spiel. Hier kann er sein Know-how einfließen lassen. Denn eines ist klar: Nur wenn die Eingaben vorne stimmen, kommt hinten Top-Qualität heraus.

Schneller, besser, individueller

Wir leben in einer von zahlreichen Innovationen geprägten Welt, in der mit einem entsprechenden Technologie-, Werkzeug
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Hochproduktive Bearbeitungszentren bearbeiten heute konstant präzise und wiederholbar genau die komplexesten Bauteile aus den verschiedensten metallischen Werkstoffen.

Hochproduktive Bearbeitungszentren bearbeiten heute konstant präzise und wiederholbar...

und natürlich Know-how-Einsatz nahezu alles machbar scheint. Mittlerweile kann sogar extrem Hartes auf ein paar Tausendstel genau bearbeitet werden, ungewöhnlich Weiches oder Poröses ebenso. Neben der Fertigung großer Stückzahlen ist längst auch die Herstellung maßgeschneiderter Unikate vollautomatisiert und zu akzeptablen Preisen möglich. Und wofür es früher mehrere Tage oder gar Wochen brauchte, reichen heute wenige Stunden oder Minuten.

Geht nicht gibt’s fast nicht mehr in einer Zeit, in der sich die meisten Unternehmen einem globalen Wettbewerb stellen müssen. Denn was heute vielleicht noch gut genug oder sogar top ist, kann morgen unter Umständen schon wieder zu wenig sein. Das Rad des technischen Fortschritts dreht sich immer schneller und als Metalltechniker steckt man mitten drin in diesem einerseits zwar ausgesprochen herausfordernden, andererseits aber auch äußerst spannenden, permanenten Weiterentwicklungsprozess.

Einfach „schnell einmal“ umzurüsten und die laufende Produktion für ein dringender benötigtes Teil zu unterbrechen, fiel in der Vergangenheit sehr schnell in die Kategorie „unwirtschaftlich“. Dieses Flexibilitätsproblem wurde u. a. mit automatischen Werkzeugwechsel- und Nullpunktspannsystemen gelöst. Beim Qualitätsthema wiederum waren es vor allem verschärfte Kontrollen und gezielt gesetzte Überwachungsaktionen, die die gravierendsten Verbesserungen brachten. Früher wurde ein Werkstück fertig produziert und dann erst geprüft. Heute will man bereits während des Herstellungsprozesses über potenzielle Fehlerquellen informiert werden. Eine kontinuierliche Erfassung aller qualitätsrelevanten Kennzahlen macht
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Jährlich werden weltweit rund 75 Millionen Autos gebaut. Dies läuft heute großteils vollautomatisiert und digitalisiert. Doch ohne Metallbe- und verarbeitung würde es diesen mächtigen Industriebereich erst gar nicht geben.

Jährlich werden weltweit rund 75 Millionen Autos gebaut. Dies läuft heute...

dies möglich. Somit kann dank moderner Technologien bereits proaktiv abwehrend, sprich korrigierend eingegriffen werden, wenn die Produktion von Ausschuss droht.

Alles wird digital

Ein unter Umständen sogar Vierteltelefon mit Wählscheibe. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in ausschließlich gedruckter Form. Eine Welt ohne Computer und Internet. Was für junge Mensch mehr als „rückständig“ klingt, ist in Wahrheit noch gar nicht so lange her. Eine der größten und mittlerweile auch bekanntesten Fehlprognosen der IT-Geschichte liegt ebenfalls „nur“ 41 Jahre zurück. „Es gibt keinen Grund dafür, dass jemand einen Computer zu Hause haben will“, prophezeite 1977 ein gewisser Ken Olsen. Allerdings war dieser Ken Olsen nicht irgendjemand – er war Absolvent des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und einer der bedeutendsten Ingenieure in der Gründerphase der US-amerikanischen Computerindustrie. Zu seiner Entschuldigung sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich seine Aussage nicht auf den uns allen bestens bekannten „Personal Computer (PC)“ bezog, sondern auf eine Art Zentralrechner, der den Haushalt führt. Warum dieses Zitat von ihm dennoch immer wieder aus der „Best-of-Schublade“ gezogen wird: Weil es stimmt, dass selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch niemand treffsicher vorherzusagen vermochte, in welche Richtung sich die Computertechnologie weiterentwickeln würde. Mit Industrie 4.0 verhält es sich ähnlich. Es gibt zahlreiche Visionen, wofür uns vernetzte Systeme dienlich sein könnten, erste Anwendungsbeispiele, die von digitalen Zwillingen bis hin zu selbstoptimierenden Werkzeugmaschinen reichen und es ist davon ausgehen, dass die vermehrte Nutzung von Echtzeit-Daten zahlreiche,
vielleicht sogar „bahnbrechende“ Möglichkeiten mit sich bringt, an die jetzt noch gar nicht gedacht wird. Es bleibt also spannend. Besonders auch für Metalltechniker – immerhin fungieren sie als „Steuermänner und Steuerfrauen“ des Fertigungsgeschehens.

Ein Meilenstein in der menschlichen Evolution: Die Fähigkeit, Metalle in Form zu bringen, gilt als die wichtigste Errungenschaft für den technologischen Fortschritt.
In der griechischen Mythologie gibt es mit Hephaistos einen eigenen Gott des Feuers und der Schmiedekunst.
Hochproduktive Bearbeitungszentren bearbeiten heute konstant präzise und wiederholbar genau die komplexesten Bauteile aus den verschiedensten metallischen Werkstoffen.
Jährlich werden weltweit rund 75 Millionen Autos gebaut. Dies läuft heute großteils vollautomatisiert und digitalisiert. Doch ohne Metallbe- und verarbeitung würde es diesen mächtigen Industriebereich erst gar nicht geben.
In modernen Unternehmen sind automatisierte Fertigungszellen zur Metallbe- und -verarbeitung nicht mehr wegzudenken. In teils mannarmen bzw. mannlosen Schichten werden die verschiedensten Bauteile wirtschaftlich hergestellt. (Bild: Lugauer GmbH aus Jennbach in Tirol)


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