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Präzision im Musterbau hilft Schmerz vermeiden

: Fehlmann


Die W&H Gruppe mit Sitz in Bürmoos bei Salzburg zählt weltweit zu den führenden Herstellern rotierender Dentalinstrumente. Den Erfolg des Unternehmens begründet eine starke Forschung und Entwicklung, die feinmechanische Wunderwerke an den Grenzen der Physik entwickelt. Schlagkraft und Präzision im Prototypenbau konnte durch Anschaffung eines von der Firma M&L gelieferten 5-Achs-Bearbeitungszentrums Fehlmann PICOMAX 60-HSC weiter erhöht werden, trotz restriktiver Aufstellbedingungen.

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Durch die Anschaffung eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums Fehlmann PICOMAX 60-HSC konnte die Schlagkraft und Präzision im Prototypenbau bei der Firma W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH weiter erhöht werden.

Durch die Anschaffung eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums Fehlmann PICOMAX 60-HSC...

„Nicht immer sind bequeme Stühle ein Ruheplatz für die Gefühle. Wir säßen lieber in den Nesseln, als auf den wohlbekannten Sesseln, vor denen, sauber und vernickelt, der Zahnarzt seine Kunst entwickelt.“ So lässt Eugen Roth sein Gedicht „Der Zahnarzt“ beginnen, das eine der meistverbreiteten Ängste thematisiert, etwa in der Zeile „Der Zahnarzt prüft die feine Nadel, mit der er alsbald dir beweist, dass du voll Schmerz im Innern seist“.

Geschrieben wurde das zu einer Zeit, als noch langsam laufende Bohrer und brachiale Methoden in den Zahnarztpraxen üblich waren und bevor das 1890 in Berlin gegründete Dentalwerk W&H von Bürmoos in Salzburg aus begann, die Behandlungsmethoden zu revolutionieren. Die seit 1958 im Eigentum der Familie Malata befindliche W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH übernahm eine führende Rolle in der Herstellung von Instrumenten und Geräten für die fünf wichtigsten Anwendungsgebiete der Dentalmedizin: vom Hand- und Winkelstück für den Zahnarzt über die Laborausrüstung für Zahntechniker bis zu Antrieben für die Implantologie bzw. Oralchirurgie.

Getreu dem Firmenmotto „People have Priority“ zielen die feinmechanischen Wunderwerke auf präzises, ermüdungsfreies Arbeiten für die Behandler ebenso ab wie auf beste Behandlung der Patienten mit möglichst geringer Schmerzbelastung. So haben etwa mit Käfigläufer-Motoren angetriebene Titan-Winkelstücke mit mehreren Hunderttausend Umdrehungen pro Minute und integrierter Beleuchtung und Kühlung dem Kronenbeschliff
fast völlig den Schrecken früherer Zeiten genommen.

Exportorientierung mit hohem F&E-Anteil

Mit rund 980 Mitarbeitern weltweit exportiert W&H seine Produkte in über 90 Länder. Das Familienunternehmen betreibt zwei Produktionsstätten in Bürmoos (Österreich), eine in Brusaporto (Italien) sowie 15 Vertriebstöchter in Europa und Asien. Rund 30 % des Umsatzes beruhen derzeit auf Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind. Um dies zu erreichen, sind alleine in Bürmoos über 60 MitarbeiterInnen im Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigt.

Zu diesem Bereich gehört auch ein gut ausgebauter Prototypenbau, in dem die Machbarkeit innovativer und dennoch pragmatischer Lösungen nachgewiesen wird. Verarbeitet werden dort verschiedenste Materialien, von glasfaserverstärkten Kunststoffen über Aluminiumlegierungen bis zu Titan. Ausgangsbasis sind Rundmaterialien mit kleinen Durchmessern, die resultierenden Teile sind – dem späteren Einsatzzweck entsprechend – komplexe Präzisionsstücke mit kleinsten Abmessungen.

Für Konstruktion und Fertigungsprogrammierung setzt W&H auf die professionelle NX5-Softwarelinie von Siemens PLM Software. In der Herstellung der Prototypen gab es bis Sommer letzten Jahres immer wieder das Problem, dass mit dem bestehenden Maschinenpark die immer noch steigenden Präzisionsanforderungen nicht mehr ohne weiteres zu halten waren. Dazu kam, dass durch die im Prototypenbau häufigen konstruktiven Änderungen, immer wieder kostspielige Neuanschaffungen der eingesetzten Konturfräser erforderlich waren, inklusive der lästigen Wartezeiten.

5-Achs-Bearbeitungszentrum als Problemlösung

Als logischer Schritt reifte Ende 2007 der Entschluss zur Anschaffung eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums mit dem das 5-Achs-Simultanfräsen
möglich wird, um unter anderem auf teure Sonderwerkzeuge verzichten zu können. Allerdings stellte sich bereits frühzeitig die gegebene räumliche Situation als Hindernis heraus: „Viele Anbieter setzen auf Polymerbeton als tragendes Element. Wir müssen die Maschine jedoch auf einer Hohlraumdecke betreiben und haben daher enge Beschränkungen in Punkto Gewicht“, berichtet Andreas Kuta, Muster-/Prototypenfertigung Feinwerktechnik bei W&H. Die passende Alternative fanden die Musterbauer aus dem Flachgau in Form der PICOMAX 60-HSC des Schweizer Herstellers Fehlmann AG. Dabei handelt es sich um eine kompakte Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschine zum Fräsen von gehärteten Stählen wie auch zur schnellen Bearbeitung von Aluminium, Kupfer und Graphit. Mit Schweizer Präzision eignet sie sich zur 5-Achsen-Bearbeitung von komplexen kleinkubischen Werkstücken und Elektroden und traf damit direkt den Bedarf. Besonderheit bei W&H: Wegen der Verarbeitung von Titan mit hohen Drehzahlen war eine Feuerlöschanlage vorgeschrieben.

Schon vor der Besichtigung im Schweizer Werk wurde die Möglichkeit, dass auf der Maschine gleichzeitig ein Schraubstock und ein Teil-Schwenkapparat als 4. und 5. Achse aufgebaut werden können, als vorteilhaft beurteilt. Das erhöht die Präzision und verkürzt die Rüstzeiten. Dennoch waren natürlich auch andere Fabrikate in der Auswahl. Letzte Sicherheit brachte ein Test mit zwei anspruchsvollen Werkstücken, einer Elektrode und ein Impeller, welche aus einer zur Verfügung gestellten Parasolid-Datei, also direkt aus den Geometriedaten erstellt wurden.

Überzeugende Präzision

„Uns überzeugte nicht nur die Oberflächengüte und Geometriegenauigkeit, die von einer unabhängigen Stelle begutachtet wurde, sondern auch die Erläuterungen zur Maschinenprogrammierung und Werkzeugauswahl“, berichtet Andreas Kuta. „Das großzügige Platzangebot innerhalb der Maschine bei geringen Außenabmessungen und Einhaltung unserer Gewichtsbeschränkungen machte
die PICOMAX zum besten Gesamtpaket.“

Die hohe Genauigkeit der Maschine trotz Einsatzes in nicht klimatisierter Umgebung war für W&H ebenso ein weiteres Kriterium das für Fehlmann sprach. „Das solide, steife Gussbett mit dem massiven Vertikalständer wird von Anfang an so geschabt, dass es für die 5-Achsenbearbeitung geeignet ist. Dazu kommt die sehr kompakte Bauweise mit geringem Platzbedarf. Ob Feinmechanik, Formenbau oder Maschinenbau dank unserer jahrzehntelangen Erfahrung und dem seit Jahren dauernd weiterentwickelten Maschinenkonzept, sind die Fehlmann-Bearbeitungszentren in vielen Bereichen optimal einsetzbar“, ergänzt Manfred Lehenbauer, Geschäftsführer der österreichischen Repräsentanz M&L - Maschinen und Lösungen in St. Valentin.

Ebenfalls beeindruckt waren die Techniker von der Philosophie des Schweizer Herstellers nahezu alles im eigenen Haus zu fertigen. Zusätzlich kommt etwa ein riesiges Ersatzteilelager den Bedürfnissen langjähriger Nutzer entgegen. Auch sonstige Serviceleistungen sind nach Auskunft bestehender Kunden unkompliziert und kurzfristig verfügbar. „Wir bieten einen Spindelwechsel innerhalb von 48 Stunden an“, so Manfred Lehenbauer. Auch die Schulung wird gelobt: „Dem Referenten gelang es zum Beispiel hervorragend, auf den unterschiedlichen Kenntnisstand bezüglich der verwendeten Heidenhain-Steuerung einzugehen“, erklärt Andreas Kuta.

Resümee

Nach einigen Monaten Betrieb kann ein erstes Resümee gezogen werden, und das fällt überaus positiv aus. Die Zeitersparnis von der Konstruktion bis zum Fertigungsvorgang ist enorm. Dazu kommen Extras wie eine Edelstahlausführung oder ein zusätzlicher in die Maschine integrierter Werkzeugkasten. Auch der Einsatz einer Blum-Laser-Werkzeugvermessung ist nur ein weiterer Baustein von vielen auf dem Weg zu höherer Effizienz und Umsetzungsgeschwindigkeit neuer Produktideen.


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