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Zerspanen im Racing Tempo

: Heller


Im oberösterreichischen KTM Motorenwerk in Munderfing verlassen jährlich 150.000 Zylinderköpfe und 60.000 Motorengehäuse für die knallorangenen Rennmaschinen die Werkshallen. Bei der Aluminiumbearbeitung für die einzelnen Komponenten vertraut man seit 25 Jahren auf die Bearbeitungszentren des schwäbischen Werkzeugmaschinenherstellers Heller.

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v.l.n.r.: Götz-Uwe Kreppert — Leiter Vertrieb bei Heller, Ing. Rudolf Harmer — Geschäftsführer Harmer Werkzeugmaschinen, Rüdiger Siebert — Vertriebstechniker Heller vor einer MCi 25.2.

v.l.n.r.: Götz-Uwe Kreppert — Leiter Vertrieb bei Heller, Ing. Rudolf Harmer...

Trotz einer wechselvollen Firmengeschichte gehört KTM seit vielen Jahren zu den absoluten Top-Herstellern, wenn es um Motorräder geht. Kaum ein Hersteller ist so eng mit Offroad-Motorrädern verbunden wie die Marke KTM. Mit dem Firmenmotto „Ready to Race“ zeigt das oberösterreichische Unternehmen wo es im Rennsport langgeht — und das mit bisher 104 WM-Titeln. Keine andere Motorradmarke kann sich mehr Erfahrung im Off-Road Bereich auf die knallorangenen Firmenfahnen heften. Und bis 2010 will man in einer neuen Liga mitmischen — der Superbike-WM. Das dafür notwendige Zweirad steht bereits in den Startlöchern. Im ersten Quartal 2007/08 präsentierte KTM auf der internationalen Zweiradmesse EICMA in Mailand ihr erstes Superbike, die 1190 RC8. Das Feedback übertraf alle Erwartungen.

Ebenso rasant wie auf der Rennstrecke geht´s auch in der mechanischen Fertigung im Motorenwerk Munderfing zu. Zerspanen im Racing Tempo, sozusagen. Bei KTM wird „Just in time“ produziert. Alle für die Produktion benötigten Teile, werden punktgenau angeliefert, um Lagerhaltungskosten und Logistik laufend zu optimieren. Immerhin besteht das komplette Modellprogramm aus 23.000 Teilen. Alle funktionsbestimmenden Teile wie Motor, Rahmen, Schwinge, Auspuffanlagen und Fahrwerkskomponenten werden im Haus entwickelt und gefertigt. Im Anschluss wird jedes Stück von erfahrenen Monteuren geprüft, Stück für Stück vermessen und in unzähligen Arbeitsschritten zum Herz einer KTM zusammengefügt. Jeder fertige Motor durchläuft eine genaue Prüfstandroutine, in der die wichtigsten Funktionsparameter wie Funktion, Leistung und Drehmoment noch einmal getestet werden.

Geführt als Profitcenter

Die mechanische Fertigung des KTM Motorenwerks in Munderfing, in der 83 Mitarbeiter im 3-Schicht-Betrieb arbeiten, ist ein Profitcenter der KTM Sportmotorcylce AG. Gottfried Reichinger, Leiter Mechanische Fertigung erläutert dies: „Wir stehen im Wettbewerb zum freien Markt und bekommen nicht automatisch die Aufträge erteilt.“ Die leistungsfähigen Bearbeitungszentren für die Fertigung stammen von der schwäbischen Heller Maschinenfabrik GmbH, die in Österreich von Harmer Werkzeugmaschinen vertreten wird. Seit 1983 besteht die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen. Momentan ist Heller Exklusivausstatter im CNC-Bereich, wenn es um Bearbeitungszentren geht. Ing. Rudolf Harmer, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma und Götz-Uwe Kreppert, Leiter Vertrieb bei Heller, im Gleichklang: „KTM ist in Österreich eine der besten Referenzen für uns.“

16 Heller sauber aufgereiht

Ein Blick in die Fertigungshalle wärmt auch das Herz eines noch so hartgesottenen Maschinenverkäufers: Gleich 16 Heller-Bearbeitungszentren der Modellreihe MC16 und MC25 stehen sauber aufgereiht in der vollklimatisierten Halle. Auf jedem BAZ wird ein Teil komplett gefertigt und geprüft. Und warum keine über alle Maschinen durchgängige automatisierte Fertigung? „Natürlich könnten wir die Maschinen in einer durchgängigen Prozesskette fahren. In unserem Fall wäre das bei den vielen Varianten und damit verbundenen geringen Stückzahlen momentan zu komplex. Und außerdem müssen die Gussteile vorher optisch begutachtet werden. Aber wir achten selbstverständlich darauf, möglichst geringe Rüstverluste zu haben. Man kann sich leicht vorstellen, dass die wirtschaftliche Planung von 16 Bearbeitungszentren nicht so einfach abläuft“, so Gottfried Reichinger, Leiter Mechanische Fertigung. Reichinger weiter: „Hier im Haus zerspanen wir ausschließlich Teile aus Aluminium, den geringen Anteil — rund 10 Prozent — an Magnesiumbauteilen, wie
Außendeckel, Ventil-, Zündungs- und Kupplungsdeckel, lassen wir extern fertigen.“ Pro Jahr durchlaufen rund 150.000 Zylinderköpfe (30 Varianten) und zirka 60.000 Motorgehäuse (10 Varianten) die mechanische Fertigung.

Da stellt sich die Frage wie sich diese Mengen wirtschaftlich an den Maschinen planen lassen? Dazu Reichinger: „Die Grobplanung passiert im Dialog zwischen Produktionsleiter und mir. Die Feinplanung macht der Meister vor Ort, der die Maschine am besten kennt. Zielsetzung bei der Fertigungsplanung ist eindeutig, dass die Teile in der richtigen Qualität und zum richtigen Zeitpunkt vorhanden sein müssen und die Auslastung um die 95 Prozent liegt.“ An die Motor-Montagelinie im KTM-Werk Munderfing liefert man die Teile bandsynchron und auftragsbezogen in der exakten Stückzahl. Damit fällt auch das Lager (außer einem kleinen Pufferspeicher) im Munderfinger Motorenwerk weg.

Modernste Späneentsorgung

Stolz ist man bei KTM auch auf die „modernste Späneentsorgung Österreichs“ (laut Reichinger), die von allen Maschinen über ein durchdacht geführtes Rohrsystem, die tonnenweise anfallenden kurzbrechenden Aluminiumspäne einsaugt und mit rund 130 km/h in einen Container ins Freie befördert. Diese Lösung, gemeinsam mit der Firma Dustcontrol erstellt, erwies sich als kostengünstig und braucht nur minimale Wartung.

Service mit vollem Einsatz

Neben den technischen Daten schätzt man bei KTM auch die langjährige partnerschaftliche Beziehung zu den Firmen Heller und Harmer. Und trotz des mittlerweile hohen eigenen Maschinen-Know-hows, lassen sich die Probleme nicht immer selbst lösen. In solchen Fällen — Monteureinsatz, Technologieberatung, Neuauslegung eines Werkzeugs oder dem „worst case“ eines Maschinenausfalls — ist innerhalb von drei Stunden ein Heller-Servicemonteur
vor Ort. Meistens lassen sich Probleme per Telefon erledigen und eventuelle Ersatzteile kommen mit Direktkurier noch am selben Tag. Und da man mit den gesamten Leistungen rundum zufrieden ist, steht bereits in wenigen Wochen eine weitere Heller-Maschine bei KTM im Racing Einsatz.

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